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Kinderbücher
Kinderbücher tragen erheblich zur Sozialisation bei. Welche Werte und Normen, welche Rollenbilder und soziale Identitäten möchten Sie den Kindern vermitteln?
29.01.2024

Identitäten, Rollen und Normen
In Büchern (und anderen Medien) finden wir uns wieder... oder auch nicht.
Bilder sprechen und vermitteln Geschichten, Botschaften und unsere Überzeugungen. In den meisten Kinderbüchern haben die Kinder eine helle (weiße) Hautfarbe und spielen ganz "geschlechtergerecht" mit entsprechenden Spielzeugen.
Wir sind alle verschieden in unseren Vorlieben und wollen unsere ganz eigene Identität frei ausbilden. Je größer die Vielfalt in den Medien, desto höher die Chance, dass sich alle irgendwo wiederfinden. Und es erhöht das Einfühlungsvermögen in andere Realitäten. Daher ist es so wichtig, dass Sie in Ihren Einrichtungen eine vielfältige Auswahl an Büchern (und anderen Medien) haben.
Gern möchten wir Ihnen hier zwei Seiten vorstellen, die dazu Informationen enthalten und viele Bücher vorschlagen, die
- Kinder in Ihrer Einzigartigkeit stärken,
- die Leerstellen füllen,
- Abwertungen und Fehlrepresentationen vermeiden,
- Diskriminierung entgegenwirken,
- Vorurteile aufbrechen,
- inklusiv sind und
- gesellschaftlichen Machtverhältnissen, Dominanzen und Diskriminierungen entgegenwirken.
Die Fachstelle Kinderwelten für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung - Institut für den Situationsansatz - hat dazu den Hintergrund näher beleuchtet. Die kurze Handreichung dazu finden Sie hier.
Die umfangreiche Sammlung von Bücherempfehlungen finden Sie hier, eine Sammlung von Spielmaterialien und auch Kinderliedern können Sie hier einsehen.
www.meinekinderbücher.de
Jens Mätschke-Gabel aus Großkoschen hat ebenfalls eine sehr umfangreiche Auswahl von Kinder- und Jugendbüchern im Themenfeld Vielfalt, Rassismus-Sensibilität und Anti-Diskriminierung zusammengestellt.
Er schreibt von sich:
Ich bin in einer mittelgroßen Stadt in der DDR als weißes Kind in einem weißen Umfeld aufgewachsen und erlebte den Fall der Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten im Alter von 14 Jahren. Bevor ich mich mit meiner eigenen Lesesozialisation auseinandergesetzt habe, war ich überzeugt, dass Schwarze in meinen Kinder- und Jugendbüchern selten vorkamen und falls doch, nicht negativ dargestellt wurden.
Im Alter von 35 Jahren begann ich, meine Kinderbücher mit einer rassismuskritischen Brille zu lesen. Ich war zuerst überrascht und später geschockt, welche abwertenden Darstellungen über Schwarze ich als Kind unreflektiert aufgenommen hatte. Ich konnte mich nicht daran erinnern. Diese Entdeckungen waren der Impuls, mich intensiver mit dem Zusammenhang zwischen Rassismus und meiner eigenen Lesesozialisation zu beschäftigen und den Blick auf westdeutsche Literatur sowie auf aktuelle Kinder- und Jugendbücher zu erweitern.
Vor einigen Jahren war ich frustriert über die Erkenntnis, dass es (scheinbar) nur wenige gute Bücher gibt, die auf emanzipative Art weiße und Schwarze Kinder ansprechen. Also machte ich mich auf die Suche und herausgekommen ist diese Seite mit vielen Empfehlungen und einigen Hintergrundinformationen, die ich versuche, beständig zu überarbeiten und zu erweitern. Ich freue mich über Anregungen und Kritik.
Das heißt nicht, dass Sie die alten Bücher wie den Struwelpeter oder Pipi in Taka Tuka Land verbannen müssen. Diese Bücher geben Ihnen die besten Anlässe über die kritischen Inhalte zu sprechen.
Wieso ist der weiße Papa von Pipi eigentlich König in dem fremden Land und nicht Fensterputzer? Oder: Ist es nicht komisch, dass die drei bösen Buben ins Tintenfass getaucht werden und das schwarz sein dann eine Strafe ist? Oder: Wieso sind Jungs eigentlich immer mit Superkräften ausgestattet und Mädchen mit Puppen?
Jede Situation ist eine Lernsituation und kann Partizipation, Inklusion und Chancengerechtigkeit stärken oder schwächen.